Jeden Tag eine neue Erkenntnis…

“Man kann im Handumdrehen ein Shakespearsches Stück der Lächerlichkeit preisgeben, wenn man sich weigert, auf seine Konventionen einzugehen. Wer einen James Bond Film anschaut, erwartet keine realistische Schilderung und reflektiert nicht über die Wahrscheinlichkeit dessen was er sieht, solange ihm nicht das Äusserste an Unwahrscheinlichkeit zugemutet wird. Populäre Literatur ist in hohem Masse unrealistisch.

Wie jeder Dramendichter erzählt uns Shakespeare eine Geschichte und bringt uns dazu, ihre Plausibilität anzuerkennen. Aber Shakespeare geht noch einen Schritt weiter; er wählt Geschichten, die von vornherein den Zweifel an ihrer Wahrscheinlichkeit herausfordern, er führt in seinen Komödien ausdrücklich antirealistissche Züge ein, um den Zuschauer aus dem Zusammenhang mit der vertrauten Erfahrungswirklichkeit zu lösen und frei zu machen für eine autonome, in sich stimmige Welt der Fiktion und Fantasie.
Shakespeare fordert sein Publikum nicht auf, sich illusionieren zu lassen, er fordert es auf, einer Geschichte zuzuhören.”

Northtrop Frey

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